Aktuelles

Gefährdungsbeurteilungen 2.0

# Gefährdungsbeurteilungen #Betriebssicherheitsverordnung #Berufsgenossenschaften

„Wenn ein Unfall an einer Maschine passiert, kommen Polizei und Staatsanwaltschaft und nicht wie früher jemand von der BG“ Solche Sätze höre ich häufiger in letzter Zeit. Eigentlich schon seit in Kraft treten der 2015er Betriebssicherheitsverordnung.

Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, in der ich als Angestellter Maschinen umgebaut habe. Gab es da eine Unklarheit, rief mein damaliger Chef einen Herrn S. (ist mindestens 15 Jahre her, kann mich auch an den vollen Namen erinnern, kam wohl recht häufig vor) von der BG an, der wusste immer alles und was er gesagt hat, haben wir gemacht. „Die BG schreibt das so vor“ Das funktionierte auch wunderbar als Argument beim Kunden.

 Und die „UVV-Prüfungen“ wurden von Unternehmen, die das Öl an der Presse gewechselt haben, „gleich mitgemacht“. Das waren ein paar Kreuze in einem Prüfbuch, natürlich war auch das von der BG. Ganz wichtig war ein Stempel. Und dass  das Buch durch ein neues ersetzt wurde, wenn es voll war. Auf den Prüfaufklebern stand sowas wie VBG 7n5.2. Die Qualifikation des Prüfers spielte eine eher untergeordnete Rolle. „Stand der Technik“ war scheinbar immer gleich. Genau wie das RAL6011, in dem die Maschinen lackiert waren. Geld wurde damit früher kaum verdient.  „Das stimmt doch so gar nicht, wir haben doch damals schon…“ Klar.

So oder so ähnlich war die Situation als mit Telefonen noch telefoniert wurde.

Gut war damals, dass sich überhaupt wer ein bisschen um Arbeitssicherheit gekümmert hat. Das alles war aber zäh, hatte eher klerikale Strukturen, Entwicklung gab es kaum.  Besser ist heute, dass es Verbindlichkeiten gibt. Ist es komplizierter geworden? Nein, deutlich einfacher und strukturierter. Ich muss niemanden anrufen 😊. Allerdings lese ich deutlich mehr.

Was ist jetzt anders? Alles und nichts. Die Basissituation ist immer noch identisch. Der Betreiber (Arbeitgeber) muss dem Bediener sichere Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Und der Betreiber trägt die Verantwortung für die Arbeitssicherheit im Unternehmen. Betreiber ist der Arbeitgeber, die Verantwortung und damit die Haftung sind nicht delegierbar

Betreiber vs Hersteller

Als Betreiber sind Sie also laut Arbeitsschutzgesetz, welches durch die Betriebssicherheitsverordnung konkretisiert wird, verpflichtet, ein paar Dinge zu tun. Wenn wir von Maschinen reden, reden wir eigentlich von Arbeitsplätzen und damit von Tätigkeiten. Das Bohren von Metall beinhaltet andere Risiken als das Bohren von Holz, obgleich es sich um dieselbe Maschine handelt.

Betrachten wir der Einfachheit halber nur die Maschine.  Was Sie immer brauchen – für jede Tätigkeit- und als erstes, ist die Gefährdungsbeurteilung

Wie man sieht, ist die ältere im Betrieb befindliche Maschine die, die Klärungsaufwand und Arbeit bedeutet. Bei einer neuen Maschine kann der Betreiber davon ausgehen, dass der Hersteller eine sichere Maschine liefert und die vereinfachte Variante der Gefährdungsbeurteilung anwenden.

Wie eine Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung genau aussieht, finden Sie hier: http://pohlann.de/gefahrdungsbeurteilungen/

Das Problem für einen Betreiber resultiert aus der Forderung nach dem „Stand der Technik“ bei älteren Maschinen. Auch das ist nicht neu. Die Formulierungen sind nur klarer geworden.

Stand der Technik ist in Normen festgelegt. Haben wir Glück, gibt es eine C-Norm, die die Sicherheitsanforderungen an beispielsweise eine hydraulische Presse festlegt. Es wird also der Ist-Zustand der Maschine mit den Anforderungen aus der Norm verglichen und ggf. angepasst. Wenn es keine C-Norm für den Maschinentyp gibt, wird es aufwändig. Dann brauchen wir Sicherheitsgrundnormen und eine Risikobewertung. Hier sind wir an einer Stelle, an der ich meine, dass das vom Betreiber in aller Regel nicht leistbar ist.  Auch kaum von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Wichtig ist ja, dass Sie sich Gedanken gemacht haben“ Ja, sicher. Wenig ist besser als nichts. Auf der anderen Seite ist es laut §22 Absatz 1 Betriebssicherheitsverordnung eine Ordnungswidrigkeit wenn Gefährdungen nicht richtig beurteilt werden. Geschieht dies vorsätzlich, wird es laut §23 zur Straftat. Kommt es zu einem Unfall, werden solche Dinge natürlich geprüft.

Gefährdungsbeurteilungen für Maschinenarbeitsplätze sind also keine Excelvorlage aus dem Netz,  die mal eben ein Mitarbeiter für alle Maschinen an einem Vormittag ausfüllt. Das kann man mit vertretbarem Eigenrisiko machen, wenn man neue Maschinen, mit wirksamen Schutzeinrichtungen, CE-Kennzeichnungen und hinreichender Bedienungsanleitung hat, die keine zusätzlichen Gefährdungen im Betrieb verursachen.

Also was machen?

Jemanden beauftragen. Dekra, Pilz, Sick, mich. Zumindest wen, der eine entsprechende Qualifikation nachweisen kann. Oder jemanden im Unternehmen qualifizieren.

Eine Vorgehensweise, die sich bei meinen Kunden bewährt hat, ist folgende: Die Grundbeurteilung -also die erste- nehme ich vor. Die Dokumentation dafür kommt auch von mir. In der Erstbeurteilungen werden – wenn erforderlich-  auch Prüfungen und Prüffristen festgelegt. Diese Dokumentation wird dann die Basis für Folgebeurteilungen, etwa nach Beseitigung von Mängeln oder Änderungen der Arbeitsbedingungen.

Die Folgebeurteilungen werden von einem Mitarbeiter beim Kunden selbst durchgeführt, der bei der Erstbeurteilung mit einbezogen wird. Ich stehe natürlich weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Das ist eine einfache und rechtssichere Implikation eines Arbeitssicherheitsprozesses, der sich dann weiterführen lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.