
Fahrerlose Transportsysteme (FTS, AGV/AMR) sind die klassische Form des autonomen Fahrens in der Industrie. Ihre Verbreitung nimmt rasant zu – besonders in der Automobil- und Zulieferindustrie, aber auch in Logistikzentren und Fertigungen mit vielen Materialflüssen.
Überall dort bewegen sich Fahrzeuge in Bereichen, in denen sich auch Personen aufhalten: an Übergabestationen, in Gängen, an Pufferplätzen oder in Mischzonen mit Gabelstaplern. Diese mobilen Gefährdungen erfordern andere Sicherheitskonzepte als eine stationäre Maschine.
Die zentrale Norm dafür ist die DIN EN ISO 3691-4. Sie legt Sicherheitsanforderungen und Prüfungen für fahrerlose Flurförderzeuge und ihre Systeme fest – von klassischen AGVs bis zu modernen AMRs.iTeh Standards+1
Was regelt DIN EN ISO 3691-4?
Die Norm richtet sich an Hersteller und Betreiber von FTS-Anlagen und behandelt unter anderem:
- den sicheren Betrieb in automatisch geführten Bereichen
- Anforderungen an Personenerkennung und Überwachung von Gefahrenzonen
- Betriebsarten (Automatik, Handbetrieb, Service) und deren Freigabebedingungen
- sicherheitsgerichtete Funktionen mit PL/SIL-Nachweis (z. B. Stopp, Geschwindigkeitsüberwachung, Richtungsüberwachung)
- Validierung der Sicherheitsfunktionen und dokumentierte Prüfungen
Sie hat die frühere EN 1525 vollständig abgelöst und ist heute die maßgebliche internationale Referenz in Europa.Intertek Inform+1
In den USA gilt ergänzend ANSI/ITSDF B56.5 als spezifische Norm für fahrerlose, automatisch geführte Flurförderzeuge.The ANSI Blog+1
Typische Gefährdungen & Schutzkonzepte
Typische Gefährdungen in FTS-Anlagen sind u. a.:
- Anfahren, Quetschen oder Überrollen von Personen
- Kollisionen mit anderen Fahrzeugen oder Fördertechnik
- Quetsch- und Scherstellen an Übergabestationen
- Gefährdungen durch angehobene oder verrutschende Lasten
Dazu sieht die Norm u. a. folgende Schutzprinzipien vor:
- Geschwindigkeitskonzepte: reduzierte Geschwindigkeit in Mischzonen, weitere Reduktion beim Annähern an Personen oder Hindernisse, Stillsetzen bei Gefahr
- Schutzfelder & Zonen: Warn- und Schutzfelder vor und seitlich des Fahrzeugs, überwachte Bereiche an Kurven, Kreuzungen und Übergabestationen
- Sicherer Handbetrieb: definierte reduzierte Geschwindigkeiten, Zustimmtaster und klare Rollenverteilung zwischen Bediener und Fahrzeug
- Signale: optische und akustische Warnsignale zur Anzeige von Fahrzustand, Richtung und Fehlern
Mein Beitrag: Prüf- und Nachweiskonzepte nach DIN EN ISO 3691-4
Ich habe 2019 für einen FTS-Hersteller ein Prüfkonzept nach DIN EN ISO 3691-4 entwickelt und seitdem über 100 Fahrerlose Transportsysteme bei verschiedenen Automobilherstellern und -zulieferern geprüft.
Heute unterstütze ich Hersteller, Integratoren und Betreiber u. a. mit:
1. Konzept- und Layout-Review
- Prüfung des Sicherheitskonzeptes für Strecke, Übergabestationen und Mischzonen
- Abgleich mit den Anforderungen der DIN EN ISO 3691-4 und ggf. ANSI B56.5
- Hinweise zu sinnvollen Betriebsarten, Geschwindigkeitsstufen und Schutzfeldern
2. Erstprüfung beim Hersteller
- Prüfung der Sicherheitsfunktionen (Stoppen, Geschwindigkeitsbegrenzung, Personenerkennung etc.)
- Überprüfung der Dokumentation (Risikobeurteilung, Sicherheitskonzept, PL/SIL-Nachweise)
3. Erstprüfung beim Betreiber
- Abgleich des realen Layouts mit dem Sicherheitskonzept
- Prüfung der Brems- und Stoppwege in der Anlage
- Kontrolle der Schnittstellen zu übergeordneten Sicherheitsfunktionen (z. B. Not-Halt, Sperrbereiche)
4. Wiederkehrende Prüfungen
- jährliche oder anwendungsbezogene Wiederholungsprüfungen
- dokumentierte Ergebnisse inkl. Mängelliste und Priorisierung von Maßnahmen
Alle Prüfungen werden rechtssicher dokumentiert und so aufbereitet, dass sie für Audits und Behörden nachvollziehbar sind – inklusive klarer Maßnahmenempfehlungen.
