
Die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG wird durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ersetzt.
Die Verordnung wurde am 29. Juni 2023 im Amtsblatt veröffentlicht, trat am 19. Juli 2023 in Kraft und ist ab 20. Januar 2027 beim Inverkehrbringen anzuwenden.BAuA+3EUR-Lex+3EUR-Lex+3
Bis zum 19. Januar 2027 gilt für neue Maschinen weiterhin die Maschinenrichtlinie. Ab dem 20. Januar 2027 ist dann ausschließlich die Maschinenverordnung maßgeblich; es gibt keine Phase, in der beide Regelwerke alternativ anwendbar wären.Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU+2GLOBALNORM Compliance+2
1. Richtlinie vs. Verordnung – formaler Wechsel
- Die Richtlinie wurde in jedem Mitgliedstaat durch nationale Vorschriften umgesetzt.
- Die neue Verordnung gilt unmittelbar in allen EU-Staaten; nationale Gesetze regeln vor allem Vollzug und Sanktionen.eurlexa.com+1
- Aus „Maschinen“ werden „Maschinenprodukte“; ausdrücklich einbezogen sind auch bestimmte Komponenten und sicherheitsbezogene Teile.Pilz+1
2. Zentrale inhaltliche Neuerungen
a) Hochrisiko-Maschinen (Anhang I, Teil A)
Die bisherige Anhang-IV-Liste wird als „potenziell hochriskante Maschinenprodukte“ in Anhang I Teil A weitergeführt.
Für diese sechs Kategorien ist künftig immer eine notifizierte Stelle einzubinden; eine reine Selbstzertifizierung mit harmonisierter Norm reicht nicht mehr. Häufiger Auslöser: sicherheitsrelevante KI-Funktionen.pilz-magazine.com+2Pilz+2
b) Digitalisierung, Industrial Security, Software
Die Verordnung zieht digitale Themen nach:
- eigener Abschnitt „Schutz gegen Korruption“ (Cyber-Security der Sicherheitsfunktionen),
- Anforderungen an Umgang mit Software-Updates und Schwachstellen,
- digitale Betriebsanleitungen und digitale EU-Konformitätserklärungen sind ausdrücklich zulässig, Papier bleibt auf Wunsch des Kunden Pflicht.Pilz+2Pilz+2
Zudem gelten nun Software und rein digitale Komponenten ausdrücklich als Sicherheitsbauteile, wenn sie Sicherheitsfunktionen erfüllen.Pilz+1
c) Substantielle Veränderung (wesentliche Veränderung)
Neu ist eine klare Definition der „substantial modification“ in Art. 3.16:
- Jede Änderung eines Maschinenprodukts – mechanisch oder digital –,
- die nicht vom Hersteller vorgesehen ist und
- neue Gefährdungen schafft oder bestehende Risiken erhöht.Taylor Wessing+2Noerr+2
Folge: Wer eine solche Änderung durchführt, wird rechtlich zum Hersteller der geänderten Maschine und muss eine neue Konformitätsbewertung nach Maschinenverordnung durchführen.Pilz+2Home of Welding+2
Reine Instandsetzung oder Wartung gelten ausdrücklich nicht als substanzielle Veränderung.lift-journal.com
3. Praktische Konsequenzen für Hersteller und Betreiber
Für Hersteller
- Portfolio prüfen: Welche Produkte fallen unter die Hochrisiko-Liste in Anhang I Teil A?
- CE-Prozess anpassen: Risikobeurteilung (ISO 12100), sicherheitsbezogene Steuerungen (EN ISO 13849-1), Dokumentation und Software-Themen an die Verordnung angleichen.EUR-Lex+1
- Neue oder grundlegend überarbeitete Maschinen mit Markteinführung ab 2027 sollten heute schon nach der Logik der Verordnung geplant werden.
Für Betreiber / Retrofit
- Größere Umbauten an Steuerung, Antrieben oder Schutzkonzept können zur substanziellen Veränderung werden – der Betreiber wird dann selbst zum Hersteller mit voller Verantwortung.Pilz+2Home of Welding+2
- Retrofit-Projekte sollten so geplant werden, dass sie sowohl die aktuelle nationale Betriebssicherheits-/Produktsicherheitslage als auch die Anforderungen der Maschinenverordnung ab 2027 abdecken.
4. Was ich konkret anbiete
Ich unterstütze Hersteller, Betreiber und Retrofit-Projektierer u. a. mit:
- Risikobeurteilungen und PLr-Festlegung nach EN ISO 12100 und EN ISO 13849-1,
- Prüfung und Anpassung von CE-Prozessen auf die Maschinenverordnung,
- Bewertung, ob ein Retrofit als wesentliche Veränderung gilt,
- kompakten Workshops zur praktischen Umsetzung der neuen Anforderungen.
